Psychotherapeutische Praxis
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Die hier auffindbaren kurzen Darstellungen zu spezifischen Themen aus der Praxis ersetzen keine Beratung oder Therapie und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Gegen jede Gewalt an Kindern und Jugendlichen

 

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist eine – bewusste oder unbewusste – gewaltsame körperliche und/oder seelische Schädigung, die in Familien oder Institutionen geschieht und die zu Verletzungen, Entwicklungsverzögerungen oder gar zum Tode führt und die somit das Wohl und die Rechte eines Kindes beeinträchtigt oder bedroht. Aus dem Blickwinkel der Kinderrechte ist Gewalt am Kind eine Verletzung der in der Konvention definierten Kinderechte, insbesondere des Rechtes auf Schutz.

(vgl. Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit).

 

Gewalt kennt viele Formen: körperlich, psychisch, sexuell.

Jede Form von Gewalt am Kind ist strafbar.

 

Immer wieder erschüttern Medienberichte über Gewalt an Kindern, nicht selten mit Todesfolgen, die Öffentlichkeit. Diesen Verbrechen haftet etwas Unglaubliches an, erschüttert zutiefst. Dabei kommen nur wenige Fälle an die Öffentlichkeit, denn nach wie vor ist Gewalt gegen Kinder eine über weite Strecken versteckte und versteckt gehaltene Handlung, da dies zum Großteil im engsten Familien- und Bekanntenkreis stattfindet.

Die Hintergründe für Gewalt am Kind sind oft ein komplexes Zusammenspiel eines sehr schwachen, zumeist selbst noch kindlichen Elternteils und einer zweiten ‚starken’, manipulativ geschickten Bezugsperson, mit der zweifelhaften Fähigkeit der Blendung.

GewalttäterInnen üben manipulativen und erpresserischen Druck auf die betroffenen Kinder und Jugedlichen aus, bringen sie damit in unaushaltbare Loyalitätskonflikte und stellen somit eine ernste Bedrohung für die Entwicklung und das Leben der Kinder und Jugendlichen dar.

 

Die Opfer zu schützen und die TäterInnen zu stoppen ist unser aller ethische und rechtliche Verantwortung und Pflicht, auch wenn die Beweiserhebung schwierig und langwierig sein kann.

 

Der aktive Einsatz für den Schutz von Kindern und Jugendlichen bringt oft auch Anfeindungen seitens jener Personen, die sich ertappt fühlen oder idealerweise an ihrem verabscheuungswürdigen Handeln gehindert werden. Das sollen wir gerne in Kauf nehmen, wenn es das unsagbare Leid der Kinder, die unter Gewalt unvorstellbare Qualen leiden, beendet.

 

Dr. Roman Biberich

_______________________________________________

 
ADHS : Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom
oder auch: AD/HS oder AD/HD oder ADS oder AD und/oder HS
 
13 Punkte für die Begegnung, im besonderen für Kindergartenpädagog/inn/en
zusammengestellt von Dr. Roman Biberich
© 2002
 

 

1. Diagnose

Die Diagnose von Aufmerksamkeitsdefizit und/oder Hyperaktivitätssyndrom ist eine schwierige und diffizile. Sie können den Verdacht haben, aber nicht die Sicherheit. Überlassen Sie die Diagnose den Fachleuten (z.B. Entwicklungsdiagnostische Institute).

Jedenfalls können Sie nachfragen, ob das Hör- und Sehvermögen in den letzten 6 Monaten getestet wurde. Bei Problemen in diesen Bereichen kann es leicht zu Verhaltensauffälligkeiten kommen, die im ersten Moment an ADHS denken lassen.

Achtung: nicht alle Augenärzte untersuchen auch automatisch das sogenannte „versteckte Schielen“ – dies soll unbedingt mitverlangt werden.

 

2. Grenzen

Bereits ein Kind mit ADHS in der Gruppe kann sehr fordern und Ihnen sehr viel abverlangen – holen Sie sich (nach Möglichkeit) Hilfe und lassen Sie sich helfen, achten Sie Ihre Grenzen, suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.

 

3. Respekt

Fragen Sie das Kind, was ihm gut tut, was ihm hilft. Oft wissen Kinder im allgemeinen und von ADS betroffene Kinder im speziellen, wie sie am besten lernen (Hort), in welcher Körperposition sie sich am wohlsten fühlen etc. Dafür brauchen Sie Zeit und sollen sich keine bestimmten Antworten erwarten, sondern vielmehr mit echtem Interesse wie ein Kind nachfragen. Denn ansonsten geschieht es, dass Sie selbst meinen am besten zu wissen, was "in diesem Fall" gut sei.

Mit Interesse, Geduld und Nachfragen beziehen Sie den Menschen aktiv in Ihre Interventionen mit ein und machen nicht den Fehler, das Kind nur noch als Arbeitsfeld anstatt als Individuum zu sehen.

 

4. Struktur

Kinder mit ADS brauchen unbedingt Struktur. Sie brauchen ihr gewohntes Umfeld, um sich wenigstens äußerlich einigermaßen eingliedern zu können. Ein geregelter Tagesablauf, eine nachvollziehbare Wochen- und Tagesplanung, wobei grundlegende Elemente (Essenzeit u.a.) immer gleich sind, helfen diesen Kindern.

Machen Sie die Struktur sichtbar (siehe nächster Punkt). Ein Kind, dass sich unsicher ist, kann auf eine solche Struktur (z.B. in Form von Liste, Zeichnung o.a.) zurückgreifen. Es braucht Aufgliederung, Überblick, Wiederholungen, Anweisungen und Hinweise zu diesen Aufgliederungen.

Bez. Hausaufgaben empfiehlt es sich mit dem Kind einen Arbeitsplan zu erstellen, da solche Kinder in ihrer Not verzögern / aufschieben.

Bei Änderungen einer festgelegten Struktur besprechen Sie diese im Vorfeld. Eine plötzliche, unerwartete Änderung kann zu Überlastung und somit zur Explosion führen. Gleiches gilt für den nächsten Punkt.

 

Stellen Sie sich vor, Sie müssen eine freistehende hunderte Meter lange und 50 cm breite Treppe, ohne Geländer und Möglichkeit diese zwischendurch zu verlassen, abwärts gehen und der Wind pfeift Ihnen um die Ohren - so ist das ohne Struktur. Haben Sie ein Geländer zum Festhalten, wird es wesentlich leichter.

  

5. Regeln

Regeln setzen Grenzen; richtige Grenzen geben Sicherheit, sie beruhigen.

Auch Regeln sollen sichtbar fixiert werden; nach Möglichkeit gemeinsam mit dem Kind/den Kindern erarbeiten (dadurch halten sich die Kinder viel eher daran bzw. lassen sich bei Missachtung besser korrigieren).– in Schrift u./o. Piktogramme auf Tafel, Pinwand o.a. Das gemeinsame Erarbeiten wirkt wie eine Einwilligung.

Die Kinder wissen so, was von ihnen erwartet wird. Langwierige rechthaberische Diskussionen können so reduziert werden.

 

6. Abwechslung

Trotz aller Struktur und konsequenter Regeleinhaltung bedenken Sie, dass ADS-Betroffene die Abwechslung lieben und auch deren Konzentrationsfähigkeit dadurch gestärkt wird. Abwechslung, das Leben ausleben können, sind gemeinsam mit Struktur, Regeln, Listen, Tabellen etc. ein wesentliches Element in der achtsamen Begegnung mit ADS-Betroffenen.

 

7. Geborgenheit und Motivation

So wie auch alle anderen Kinder braucht das ADS-betroffene Kind eine geborgene Atmosphäre. Emotionales Wohlbefinden und Erfolgserlebnisse sind wichtig. Vermeiden Sie Langeweile und unnötige Angst. Motivieren Sie das Kind altersentsprechend auf spielerische Weise.

Auch kleine Erfolge müssen beachtet und unterstrichen werden, denn diese Kinder erleben wesentlich mehr Misserfolge als das durchschnittliche Kind. Anerkennung tut gut und baut auf. Auf liebevollen Körperkontakt reagieren die meisten dankbar.

Äußerst hilfreich ist für diese Kinder ständiges (ehrliches und nicht übertriebenes) Feedback.

 

Ohne Ermutigung und Lob kann nichts besser werden. Es ist ein fataler Mythos, dass man ein Kind zu viel loben könnte - man kann einen Menschen falsch (unehrlich, künstlich, übertrieben, unpassend) loben, aber nicht zuviel.

 

8. Wiederholungen u. Visualisierungen

Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie Anweisungen öfters wiederholen müssen (nicht umsonst spricht man u.a. von Aufmerksamkeits-DEFIZIT) . Seien Sie darin kurz, prägnant, klar, deutlich, nachvollziehbar.

Das eine oder andere Mal hilft es auch, die Anweisung aufzuschreiben bzw. in Piktogrammform zu bringen.

Wenn Sie über ein bestimmtes Thema sprechen wollen, kündigen Sie es an und erklären kurz, prägnant, klar, deutlich, nachvollziehbar, warum dieses Thema – auch hier könnte es hilfreich sein, Schlüsselwörter während des Sprechens aufzuschreiben oder als Piktogramm aufzumalen, damit die Kinder eine visuelle Hilfestellung zur Herstellung innerer Ordnung bekommen.

 

9. Augenkontakt

Dadurch können Sie einem Kind einen „Anker“ bieten, es zurückbringen, eine unauffällige Bestätigung zukommen lassen. Suchen Sie eher die Nähe eines solchen Kindes, denn das hilft ihm sich weniger „treiben zu lassen“. Nicht zu verwechseln mit dem alles kontrollierenden und strafenden Blick!

 

10. Sicherheitsventil

Richten Sie mit dem Kind die Möglichkeit für ein kurzfristiges Ausagieren ein – eine Rückzugsmöglichkeit, ein Ort den das Kind für einen Moment aufsuchen und somit den Verband verlassen kann um „runterzukommen“. Begleitung ist hier wichtig, auch ein anschließendes KURZES Gespräch, um die Fähigkeiten der Selbstbeobachtung und Selbsteinschätzung, sowie Konfliktbewältigungsstrategien zu erlernen.

 

11. Qualität vor Quantität

Aufgrund der begrenzten Ausdauer und Aufnahmefähigkeit können üblicherweise diese Kinder nicht die gleiche Menge erbringen (beim Zeichnen, Basteln, Tisch decken etc.).

Beachten Sie die individuellen Grenzen :

umfangreiche Anforderungen in kleine überschaubare Sequenzen unterteilen um nicht erschlagen und von vornherein demotiviert und in weiterer Folge aggressiv zu werden. Die Aufgaben sollen unterschiedlicher Natur sein und nicht gleichartig -  Monotonie führt zur Explosion.

Und würdigen Sie die Qualität :

mit genügend Feedback (siehe Punkt 7) – es steigt die Möglichkeit länger und besser bei der Sache zu bleiben. Das Selbstwertgefühl kann sich verbessern.

 

12. Transparenz im Gespräch

Verwenden Sie einfache Wörter, seien Sie kurz und prägnant. Überlegen Sie sich vorher, was Sie sagen möchten und ob das wirklich sinnvoll ist und ob es 'das bringt', was Sie möchten.

Wenn Sie etwas erklären möchten, verwenden Sie ganz konkrete und nicht abstrakte Beispiele. Vermeiden Sie Fragestellungen, die keine Fragen sondern Aufforderungen sind (z.B.: „Gehst du bitte von dem Tisch runter!?“ - eigentlich möchten Sie doch sagen: „Geh vom Tisch runter.“)

Machen Sie Ihre Erwartungen deutlich. Und verwenden Sie ein geeignetes Feedback:

Die Kinder sind üblicherweise nicht absichtlich bösartig – konstruktive Fragen helfen den Kindern, sich selbst langsam aber sicher besser einschätzen zu können: „Hättest du das auch anders sagen/machen/lösen können?“ „Warum, glaubst du, weint jetzt das Kind/schaut es traurig/möchte es nicht, das du mitspieltst?“

Das funktioniert frühestens dann, wenn Sie mit Herz dahinterstehen, nicht wenn Sie aus Zwang handeln.

 

13. Bewegung

In den Garten! Das kommt allen Kindern zugute! Viel Bewegung, klettern, schaukeln, wippen, laufen etc. Freie Bewegung ist ebenso wichtig wie angeleitete Übungen. Möglichst jeden Tag – das Wetter darf nicht bzw. kaum das Rausgehen verhindern. Zusammenräumen, anziehen, ein wenig warten sind kein öder, lästiger und mühevoller Aufwand, um in den Garten zu kommen, sondern alles Aktivitäten, bei denen gelernt wird.

  

ADS-betroffene Kinder sind oftmals sehr lebensfreudige, witzige, fröhliche, kreative und talentierte Menschen – bloß sehen wir das dann nicht, wenn wir unseren Blick nur noch auf die Probleme fokussieren.

Nehmen Sie nicht alles 'tierisch' ernst. Das Leben ist oft nicht gerecht und mag streckenweise qualvoll sein, aber durch Humorlosigkeit wird es keinen Millimeter besser.


Dr. Roman Biberich 

 

 

 

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